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Wirklichkeit – Traum oder: wie ich zum Schreiben gekommen bin

„Wie konntest du das, einfach so ein Buch schreiben?“ oder „Hast du einen Kurs gemacht, um literarisches Schreiben zu erlernen?“ – Fragen wie diese habe ich dutzendfach gestellt bekommen, seit ich meinen ersten Roman veröffentlicht habe. Im Gegensatz zur Autorin in meiner Geschichte „Traum-Wirklichkeit“ (zu finden in meinem zweiten Werk „nachtaktiv – eine kollektion“) habe ich mein erstes Buch nicht in 5 Tagen geschrieben und bin auch kein literarisches Wunderkind. Schreiben ist etwas, in das ich langsam reingewachsen bin. Ich hatte riesigen Respekt davor, einen Roman zu schreiben und war lange nicht sicher, ob ich es jemals schaffen würde, diesen fertig zu stellen. Doch als ich daran arbeitete und sich die vielen leeren Seiten des Word-Dokuments mit dem Arbeitstitel „Buch“ langsam füllten, entzündete sich in mir eine Flamme, die seither immer grösser geworden ist. Eine dieser Flammen, von welcher ich hoffe, dass sie immer in mir brennen wird.    

Als ich damals in der ersten Klasse das Alphabet lernte, konnte ich noch nicht ahnen, was für eine wundervolle Welt dies mir eröffnen würde. Ich war schon immer fasziniert von Büchern, war eines dieser Kinder, welchem man stundenlang vorlesen musste und konnte Tage damit zubringen, Hörbücher in mich aufzusaugen. Die waren damals in den frühen 80er Jahren noch so richtig altmodische Kassetten und ich glaube, ich habe mehrere davon zerstört, weil ich sie immer und immer wieder zurückgespult und nochmals gehört habe. Das Röösli Hü und Nils Holgersson waren die Helden meiner Kindheit und in meiner schon damals sehr aktiven Phantasiewelt malte ich mir diese Figuren bunter und heldenhafter aus, als sie in Wirklichkeit jemals hätten sein können. Das Erlernen des Alphabets, der wichtigsten Rechtschreiberegeln sowieso des Lesens war etwas, das mein Leben für immer verändern sollte. Zuerst einmal machte es das Leben meiner Eltern einfacher, weil sie mich endlich ins Bett stecken konnten, ohne noch stundenlang Astrid Lindgren Bücher vorzulesen – ich wette, meine Mutter könnte heute noch ein paar Dialoge aus Michel von Lönneberga auswendig zitieren. Allerdings bedeutete es auf der anderen Seite, dass sie immer wieder nächtliche Kontrolltouren in meinem Zimmer durchführen und mich dabei so manches Mal der unter der Bettdecke zündenden Taschenlampe entledigen mussten. Mit dieser widmete ich mich nach der offiziell erlaubten Lesezeit und des damit einhergehenden Lichterlöschens weiterhin meinen geliebten Büchern, ging mit den Kindern von Bullerbü auf eine Entdeckungsreise durch kleine schwedische Dörfer und wunderte mich, wie Karlsson vom Dach hatte fliegen lernen können.

Dann, ich war wohl etwa in der vierten Primarklasse, eröffnete sich nochmals eine ganz neue Welt für mich. Die Zeit des Aufsätze schreiben in der Schule begann und ich liebte es über alles. Während der Rest der Klasse jeweils stöhnte über die Aufsatzthemen, 25 Mal in einer halben Stunde den Bleistift spitzte und sich so mancher wahrscheinlich einen Holzsplitter ins Zahnfleisch jagte mit dem Abkauen desselbigen, war Klein Alexandra im 7. Himmel. Ich füllte Seite um Seite in meinem Aufsatzheft und im Gegensatz zu meinen restlichen Klassenkameraden fand ich immer, die 2 Stunden Zeit seien viel zu schnell vorbeigegangen. So manches Mal hätte ich noch stundenlang weiterschreiben können und wäre um Ideen nicht verlegen gewesen. Ich hatte während meiner ganzen Schulzeit immer wieder das Glück, auf verständnisvolle Lehrkräfte zu stossen, welche mich in meiner Schreibleidenschaft unterstützen und diese nicht zu unterbinden versuchten, obwohl es für sie bedeutete, dass sie jeweils statt den üblichen 4 Aufsatzseiten von mir 12 zu korrigieren hatten. Hier eine kleine Randbemerkung an diejenigen ehemaligen Lehrkräfte von mir, die das jetzt lesen – sorry dafür, aber eure Nachtschichten haben sich immerhin gelohnt :-)

Den nächsten Schritt in meiner Schreibkarriere machte ich mit ungefähr 14 in der Oberstufe, als wir während einer Projektwoche eine Schülerzeitung herausgaben. Zum ersten Mal wurden meine Texte von einer grösseren Leserschaft gelesen und ich war Feuer und Flamme für das Projekt. Daraus resultierte, dass ich während meiner Berufswahl ernsthaft daran dachte, Journalistin zu werden. Eine Schnupperlehre später habe ich mich dagegen entschieden, weil man Journalismus nicht als Berufslehre erlernen konnte und ich damals keine Lust auf ein Studium hatte. Ich habe mich für eine kaufmännische Lehre in einem grossen Zeitschriftenverlag entschieden und konnte so das journalistische Treiben trotzdem aus nächster Nähe mitverfolgen. Die Faszination des Schreibens liess mich nie wieder los. Ich begann während der Lehre für eine Lehrlingszeitschrift zu schreiben und hatte die Möglichkeit, dafür Interviews zu machen, zu recherchieren und meine Phantasie spielen zu lassen. Mein ganz grosser Traum war aber immer derjenige des eigenen Buches gewesen. Bücher lassen mich noch heute in eine ganz eigene Welt eintauchen und für mich gibt es nur wenig, das eine gute Lektüre toppen kann. Die Sprache ist für mich eines der grössten und wertvollsten Geschenke auf Erden und es macht mich traurig, wenn sie unsorgfältig angewendet wird. 

Als ich vor rund zwei Jahren damit begann, mein erstes Buch zu schreiben, begab ich mich aufs grösste Abenteuer meines bisherigen Lebens. Einen Roman zu schreiben forderte mich heraus, machte mich manchmal zum Jauchzen glücklich und manchmal zum Schreien frustriert. Ich erlebte nie zuvor dagewesene Höhenflüge in den Momenten als ich dachte, nun hab ich ein paar wirklich gute Sätze hingekriegt und ich hätte heulen können, wenn danach genau diese Sätze von meinem Lektor als unbrauchbar klassifiziert wurden. Der kreative Prozess des Schreibens erfüllte mich und machte mich überglücklich, ein Gefühl, welches sich mit keinem anderen Gefühl, dass ich je empfand, vergleichen lässt. Und es sind diese Gefühle, welche mich immer weiterschreiben lassen. Es ist nicht der Glamour der Buchvernissage, nicht der Moment, wenn ich ein Interview mit mir in der Zeitung sehe oder der Bankauszug Ende Monat kommt. Es sind die vielen kleinen Glücksmomente, für welche es manchmal auch für mich als Autorin schwierig ist, angemessene Worte zu finden. Nach wie vor ist mein erklärtes ganz grosses Ziel, eines Tages einen Bestseller zu schreiben, allerdings bin ich mir auch sehr wohl bewusst, wie wenige Autoren es jemals schaffen, von der Schreiberei zu leben. Und seit der Veröffentlichung meines ersten Buches hatte ich manche Durststrecke, manche Tage, an welchen ich dachte, ich krieg so etwas nie wieder hin. Denn Talent ist nur 1% des Ganzen, die restlichen 99% sind harte Arbeit. Gute Literatur und Kunst im Allgemeinen entsteht nicht über Nacht, sie ist ein Prozess und ich erachte es als unerlässlich, diesen Prozess durchzustehen, mit allen schwierigen Momenten, die ein „auf die Zähne beissen“ nötig machen. Es ist nun ein Jahr her, seit ich mein erstes Buch „Himmelspost“ zum ersten Mal in der Hand halten durfte und dieser Moment war alle vorhergehenden schwierigen Momente mehr als wert. Und ich bin gespannt darauf, wie sich mein Schreibweg weiterentwickelt. Momentan arbeite ich an meinem zweiten Roman und habe parallel dazu begonnen, ein Buch auf Englisch zu schreiben. Manchmal habe ich grosse kreative Schübe, manchmal bringe ich wochenlang nichts Zufriedenstellendes aufs Papier. Doch ich werde weiterschreiben. Und ich hoffe, es wird mir dabei so ergehen, wie von Marc Aurel einmal zitiert: Blicke in dein Inneres. Da drinnen ist die Quelle alles Guten, die niemals aufhört zu sprudeln, solange Du nicht aufhörst nachzugraben.

Ich werde weiter graben und dranbleiben– ich hoffe, ihr auch!

© Alexandra Baumann, Dezember 2008



Mein Monat in Barcelona


Die Stadt Gaudìs, besiedelt von eigenwilligen Katalanen, geliebt von Tausenden Touristen, bekannt für ihre einmalige Architektur und viel gerühmt für ein buntes Nachtleben – dieses Barcelona würde für 4 Wochen meine neue Heimat sein. 

Als ich mich letztes Jahr dazu entschloss, meine Fest-anstellung als Kaufmännische Angestellte für eine Weile aufzugeben, um eine Auszeit zu nehmen, standen mir unzählige Optionen zur Auswahl – Reisen, ein Sozial-aufenthalt, einfach mal gar nichts tun, eine Sprachschule, Arbeiten im Ausland etc. Doch schnell einmal war klar, wo es mich hinziehen würde: zuerst einen Monat nach Spanien, um Spanisch zu lernen und danach auf meine geliebte Insel Irland, um dort an meinem zweiten Buch zu schreiben.

Dass die Wahl in Spanien gerade auf Barcelona fiel, hatte verschiedene Gründe. Zum einen hatte ich bereits unzählige Schwärmereien von Barcelona zu hören bekommen – zum anderen faszinierten mich die Katalanen mit ihrer Eigensinnigkeit schon immer. Und obwohl Barcelona aufgrund seiner Zweisprachigkeit vielleicht nicht als ideale Destination für einen Sprachaufenthalt gelten mag, so gibt es doch dutzende gute Angebote, um dort Espanol zu lernen.

Bereut habe ich meinen Entscheid bisher keine Sekunde. Ich verliess die Schweiz an einem kalten Märztag und kam im warmen Spanien an, Palmen säumten die Strassen, eine angenehme Meer-Brise empfing mich – Welcome to Paradise.

Ich hatte mich entschlossen, während meines Aufenthaltes bei einer Gastfamilie zu leben. Schliesslich hatte ich bei früheren Sprach-aufenthalten damit die allerbesten Erfahrungen gemacht und auch am meisten von der Sprache, vor allem der Umgangssprache im Alltag, mitgekriegt.
Natürlich war zu Beginn alles gewöhnungsbedürftig: statt meinen eigenen 4 komfortablen Wänden zuhause schlafe ich momentan auf wenigen Quadratmetern, wo ausser einem Bett, einem Pult mit Stuhl und einem Kasten nichts mehr Platz hat. Statt meiner üblichen morgenmuffligen Ruhe wird fleissig geplappert, anstelle meiner Stereoanlage leisten mir 4 Mitbewohnerinnen und eine quirlige katalanische Familie Gesellschaft. Meine sonst immer ungestört-ausgiebige Morgendusche wird regelmässig vom ungeduldigen Türklopfen meiner Mitbewohnerin und Bad-Mitbenutzerin unterbrochen. Statt am Morgen den PC anzulassen und mit meiner Arbeit zu beginnen, unterhalte ich mich mit Japanerinnen, Schwedinnen, einem Australier, einem Chinesen und einer Französin über unsere Lieblingsorte in Barcelona. Anstelle vom Alltag im Büro heisst es Voggi üben und Grammatikregeln büffeln. Und nach der Schule ist nicht etwa Feierabend: plötzlich hat man wieder Hausaufgaben und fühlt sich wirklich in die frühen Jugendjahre zurückversetzt.

Das Beste daran – ich liebe jede Sekunde davon. Ich fühlte mich von der ersten Sekunde an pudelwohl in der Familie, in dieser Stadt. Meine Gastfamilie ist herzlich und wunderbar gastfreundlich. Trotzdem erlebe ich die Katalanen im Allgemeinen nicht etwa als ein leicht zugängliches Volk, sondern eher als sehr reserviert. Am meisten Kontakt hatte ich bisher mit Ausländern: so traf ich hier griechische Architektinnen, eine schwedische Barkeeperin, einen pakistanischen Supermercato-Besitzer, einen australischen Doktor, einen indischen Cybercafe-Inhaber, einen russischen Taxifahrer und last but not least einen DJ aus New York. Alles sehr multikulti, doch egal wie lange die Leute schon hier leben, sie haben mir alle das Gleiche bestätigt: es ist nicht leicht, mit den Einwohnern von Barca wirklich Freundschaft zu schliessen. Sie bewegen sich auch meist in geschlossenen Clubs und meiden (verständlicherweise) die von vielen Touristen frequentierten Orte. 

Nichtsdestotrotz - bereits nach 2 Tagen hatte ich das Gefühl, schon ewig hier zu sein und fühlte mich nicht mehr fremd in der Stadt. Ich pendle wie die Einheimischen morgens mit der Metro zur Schule, gehe in die gleichen kleinen Supermercatos einkaufen, meide die von Touristen gesäumten Ramblas und gehe stattdessen durch kleine Seitengässchen. All dies gab mir schnell das Gefühl, mit der Stadt zu verschmelzen und mich nicht mehr in erster Linie nur als Touristin zu fühlen. Dies birgt auch gewisse Gefahren in sich. So habe ich mich doch in der Mitte meiner ersten Woche dabei ertappt, schon so etwas wie eine Routine entwickelt zu haben, welche meinen Entdeckerinstinkt für die Stadt etwas schmälerte. Was jammerschade wäre, schliesslich bietet Barcelona unendlich viel zu entdecken. 

Dies bringt mich zu den wunderbaren Schönheiten dieser Stadt. Während meiner allerersten Taxifahrt fuhr ich an der hell beleuchteten Sagrada Familia vorbei – wie kein anderes Bauwerk schafft Gaudìs Kirche es, mich immer wieder atemlos staunen zu lassen. Die unvollendete Schönheit mit ihren zum Himmel strebenden Türmen ist nicht umsonst der Anziehungs-punkt von 2 Millionen Besuchern jährlich. Diese betreten zwar eine Baustelle, doch trotzdem ist die Faszination ungebrochen. Wenn die Bauarbeiten im bisherigen Tempo weitergehen, wird die Kirche ungefähr im Jahre 2020 fertig gestellt sein. Für mich am Abstand beeindruckendsten sind die eigenwilligen, rund 170 Meter hohen Türme Gaudìs. Als das Genie einmal danach befragt wurde, warum er so viel Mühe auf die Turmspitzen verwende, die doch niemals jemand von Nahem sehen werde, antwortete er: „Die Engel werden sie sehen“.

Alle Sehenswürdigkeiten von Barcelona aufzuführen, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Darum nur ein paar absolute „Musts“ in Kürze: ein Besuch auf dem Tibidabo (grandiose Aussicht), La Pedrera (ein faszinierendes Haus), die Strände im Stadtviertel Barceloneta (einfach nur schön), der Parc Güell (ein Klassiker), ein Spaziergang im Barri Gòtic und natürlich die Ramblas (kein Barca-Besuch ist vollständig ohne einmal rauf- und runterschlendern).

Für mich ist der Aufenthalt in Barcelona bereits wieder vorbei. Beim Schreiben dieses Artikels wurde mir noch klarer als zuvor, wie sehr ich diese Stadt liebe, wie glücklich ich darüber bin, diesen Monat dort verbracht zu haben und dabei so vieles zu erleben. Der Schritt weg von meinem gewohnten Alltag, weg von der finanziellen und jobtechnischen Sicherheit hin zu einer fremden Stadt, einer neuen Sprache und neuen Leuten hat sich für mich bisher mehr als ausbezahlt.

Und das Abenteuer wird weitergehen. Nach einem Monat in dieser lebhaften und lauten Stadt werden mich 2 Monate in der irischen Einsamkeit erwarten. Sicherlich ein ganz anderes Erlebnis, welches auf seine Weise spannend sein wird. Und über welches ich gerne zu einem späteren Zeitpunkt berichten werde. Hasta la proxima!

© Alexandra Baumann, April 2008


Port Vell mit dem Magnemarum Komplex



Und mein absoluter Lieblingsort in Barca: la Placa Real


Träume – Leben


Wer weiss schon, wo Träume enden und das Leben beginnt? 

Wir haben sie alle. Träume, welche uns seit Jahren, vielleicht Jahrzehnten begleiten. Wir sehen uns als Sängerin auf einer ganz grossen Bühne, als CEO eines Weltkonzerns, als Lottogewinner auf einer Weltreise, auf den Titelseiten eines Glamour-Magazins, als Bestseller-Autorin oder als Olympiasieger in unserer liebsten Sportdisziplin. Manchmal sind unsere Träume auch näher bei der Realität. Wir sehen uns innerlich mit einem Baby im kugelrunden Bauch, in unserem eigenen kleinen Lädeli, auf einer langen Reise in Neuseeland oder mit der Liebe unseres Lebens nach jahrelangem Single-Dasein. Sie tragen uns, lassen uns in eine unreale Gedankenwelt abtauchen, die so viel schöner als unsere eigene Realität ist.

Wir sehen staunend zu denen auf, die es geschafft haben. Wir bewundern ihren Erfolg und vergessen nur allzu gern ihren steinigen Weg zum Olymp. Wir spielen Lotto, obwohl uns bewusst ist, wie minim klein die Chance auf einen Jahrhundertgewinn ist. Doch an jenem Tag, wenn wir dann endlich reich/schlank/selbstbewusst/attraktiv/in einer Partnerschaft oder endlich wieder Single sind, dann werden wir sie verwirklichen, unsere Träume. Und so leben wir in die Jahre hinein, statt die Tage zu leben. Dümpeln im Sumpf der Mittelmässigkeit weil wir Angst vor dem kalten Wasser der Ungewöhnlichkeit haben. Führen immer wieder dieselben Konversationen, von „ich sollte nun aber wirklich mal anfangen zu…“ über „sobald es im Geschäft etwas ruhiger ist, werde ich….“ bis hin zu „wenn ich dann mal genügend Geld gespart habe, hält mich hier nichts mehr….“. Wir vertagen unsere Träume, stellen sie auf ein Abstellgleis und vergessen sie dort. 

Und manchmal spielt das Leben dann ganz anders. Wir sind mit einem Verlust konfrontiert, werden krank, müssen einen Schicksalsschlag durchstehen, jemanden loslassen. Und in dieser Phase des tiefsten Schmerzes besinnen wir uns wieder darauf, was wesentlich ist. Und wir realisieren, dass wir nicht unendliche Zeit zur Verwirklichung dieser Träume haben.

Und stellen uns vielleicht auch die Frage, was uns denn an der Verwirklichung eines Traumes hindert. Vielleicht die Angst zu scheitern? Vielleicht die Tatsache, dass er tatsächlich in Erfüllung gehen könnte? Vielleicht die Möglichkeit, einem Phantom nachgerannt zu sein, welches sich bei Berührung in Luft auflöst?

Wir lassen unsere Traumwelt wieder Traumwelt sein und tauchen zurück in die Realität, die uns bei näherer Betrachtung gar nicht mal so schlecht erscheint. Wir haben ja schliesslich alles. Oder fast alles. Unsere Träume sind lediglich ein kleiner Mosaikstein in unserem Lebenspuzzle. Das Puzzle gibt auch ohne die Verwirklichung unserer Träume ein fast vollständiges Bild. Doch werden wir jemals ganz sein, wenn wir diese Träume nicht leben?

Ich bin momentan umgeben von Leuten im Aufbruch. Die Verwirklichung der eigenen Firma, eine Gesangskarriere in den Staaten, das Schreiben eines  Bestsellers, ein Schmuckladen mit Basar-Athmosphäre, ein neues Leben in New York werden angestrebt. Diese Leute um mich herum werden gerne ermutigt, aber genauso oft heimlich belächelt. Manchmal leicht höhnisch, manchmal mit offen gezeigten Neid. Denn sie sind diejenigen, die es versuchen. Der Traum ist nicht das Ziel – den Weg zu gehen, ist was zählt. Es zu versuchen, etwas ganz Grosses wahr werden zu lassen. Das innere Feuer, die totale Leidenschaft für etwas zu empfinden. Mit dem Risiko einer Totalpleite. Doch kann man überhaupt verlieren, wenn man so etwas wagt?

© Alexandra Baumann, Juli 2007 




Und so kann er denn aussehen...
der wahrgewordene Traum!